Wissenswertes zur Behandlung mit Psychopharmaka bei psychotischen Erkrankungen

Psychopharmaka stellen im Verlauf einer psychotischen Erkrankung eine große Hilfe in der Behandlung von Patientinnen und Patienten dar.
Sie haben eine biologische Wirkung auf den Hirnstoffwechsel, indem sie auf der Ebene der synaptischen Verschaltung wirken  und auf verschiedenen Wegen die neurochemischen Überträgerstoffe beeinflussen.
Psychopharmaka wirken auf die psychische Struktur ein.
Sie können die Persönlichkeit eines psychisch kranken Menschen so weit stabilisieren, dass er durch diese Stabilisierung, wieder besser alltagsfähig wird, und auch psychotherapiefähig wird.  Sie können  eine Affektdämpfung (Dämpfung einer gestörten heftigen Gemütserregung) und eine Erlebniseinschränkung (z.B. bei Halluzinationen)  bewirken, und mithelfen wieder ein Gleichgewicht zu erreichen.
Medikamente werden von schizophren erkrankten Menschen oft nicht gern genommen.  Es kann sein, dass sie  die Gabe von Medikamenten als Bestrafung erleben, als Machtausübung einer unerwünschten gesellschaftlichen Struktur, oder auch  als Überfürsorge.  Es kann sein, dass die  Patienten sich durch den Vorschlag  Medikamente einzunehmen,  als hilflos und krank abgestempelt fühlen.
Die Empfehlung Medikamente einzunehmen,  löst also bei den Betroffenen verschiedene Gedanken und Fantasien aus. Die medikamentöse Behandlung ist immer in eine Beziehungsgeschichte eingelassen.
Entscheidend ist oft die Frage nach der ihnen gebliebenen Autonomie und Selbstständigkeit. Wenn  die Medikamente  das Ich-Gefühl verbessern,  die Handlungsfähigkeit stärken,  und die Selbstwirksamkeit wieder herstellen werden sie positiv vom Betroffenen erlebt.
Die  Beeinflussung durch Medikamente, besonders die Dämpfung  kann  auch als schwerer Verlust der Selbstbestimmung und Handlungsautonomie  erlebt werden.
Es können sich also positive wie negative Wechselwirkungen, zwischen der Beziehungsarbeit und Selbstwirksamkeit,  zwischen der Kommunikation von Arzt, Ärztin und Patient, Patientin ergeben.
Das gegenseitige Respektieren, das Kennenlernen  und das Entwickeln eines vertrauensvollen Dialoges sind wichtige Bestandteile einer jeden medikamentösen Behandlung.
Der Einsatz von Medikamenten kann jedoch nur ein Element der Behandlung sein. Soziotherapeutische und psychologische- psychotherapeutische Behandlung sollten hinzukommen. Vielfach können Medikamente erst eine positive Entwicklung entfalten, wenn der Patient, die Patientin   auch  psychotherapeutisch begleitet wird.  Dies ist durch die Vielschichtigkeit des Psychischen
bedingt.
(frei entnommen von Dr. med. Joachim Küchenhoff, Psychose, Psychosozial-Verlag 2012).